Margos Spuren

„Was für ein heimtückischer Fehler zu glauben, ein Mensch wäre mehr als ein Mensch.“

Der 18-jährige Quentin Jacobsen, genannt Q, lebt mit seinen Eltern in Orlando, Florida – und steht kurz vor seinem Highschool Abschluss. Seit er ein kleiner Junge war, ist Q in das Nachbarsmädchen – Margo Roth Spiegelman – verliebt, wird aber seit Jahren von ihr ignoriert.

Margo scheint eine ganz besondere junge Frau zu sein. Sie ist beliebt und wird von allen bewundert. Immer wieder reißt sie von zuhause aus, um Abenteuer zu erleben. Quentin hingegen gehört in der Schule eher zu den Außenseitern. Er liebt die Routine und Vorhersehbarkeit, die sein Leben ihm bietet.

Doch eines Nachts steht plötzlich Margo Roth Spiegelman vor seinem Fenster – und nimmt ihn mit auf ein nächtliches Abenteuer. Zum ersten Mal bricht Q aus seiner Routine aus, leiht sich den Wagen seiner Eltern und erlebt mit Margo eine aufregende unvergesliche Nacht. Doch am nächsten Tag ist Margo verschwunden. Ist sie wieder ausgerissen – oder steckt mehr dahinter? War Margo vielleicht nicht die lebenslustige, abenteuerliche, mutige Frau, die Quentin sein Leben lang verehrt hat?

Quentin macht sich – gemeinsam mit seinen beiden spleenigen besten Freunden, Radar und Ben, und mit Margos bester Freundin Lacey auf die Suche. Sie folgen Margos Spuren und begeben sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip, der sie quer durch die USA führt.

In diesem dritten Roman von John Green geht es um die erste Liebe, um Freundschaft, um Authentizität und um die Entscheidung, wer man sein und was man mit seinem Leben anfangen möchte. Ich finde den Roman dabei sehr gelungen. Es macht Spaß ihn zu lesen und den jungen Quentin auf seiner Reise ins Leben zu begleiten. Green schafft Charaktere, die man sofort ins Herz schließt. Die Sprache ist flüssig, gut lesbar und voller Humor. An einigen Stellen musste ich tatsächlich laut lachen.

Das Buch ist aus der Sicht des Highschoolschülers Quentin geschrieben, den wir in der Übergangszeit ins College begleiten dürfen.

„Der Abschied war schwer bis ich ihn hinter mir hatte. Dann war das Leichteste auf der Welt.“

Auch wenn einen das Buch nicht gerade vor Spannung die Nägel runterkauen lässt, macht es doch Freude es zu lesen und zu erleben, wie Quentin beginnt durch seine Ermittlungen zu Margos Wesen – und auch zu sich selbst zu finden. Die Dialoge sind sehr humorvoll und die Freundschaft der drei Jungs lässt einem das Herz aufgehen.

Nicht so überzeugt hat mich allerdings die Auflösung des Rätsels um die verschwundene Margo. Margo verliert bei mir nach und nach an Sympathie und so ganz nachvollziehen konnte ich die – mir etwas zu gewollt pilosophische – Lösung (von der ich hier nicht zuviel verraten möchte) nicht ganz.

Margos Spuren ist ein gelungener Jugendroman, der meines Erachtens nicht nur für jugendliche Leser empfehlenswert ist. Mir mit meinen 33 Jahren hat er auch gefallen. Das Buch ist irgendwie melancholisch und lustig zugleich und beschreibt gut die Ängste und Sehnsüchte, die das Erwachsenwerden begleiten. Auch wenn mich das Ende nicht überzeugt hat, kann ich eine klare Leseempfehlung für diesen Roman aussprechen und vergebe knappe 4 Sterne.

Buchinformationen

Margos Spuren von John Green, Deutscher Taschenbuch Verlag, erschienen am  1. November 2011, 336 Seiten

Blick ins Buch

„Viel zu lange hatte ich Margo nicht richtig zugehört – hatte sie schreien sehen und gedacht, sie lachte.“

„Von hier, in der Nacht, wirkte Orlando wie eine echte Stadt, aber zum ersten Mal wie eine Stadt, die ich überblicken konnte. […] Es ist irgendwie beeindruckend“, sagte ich. „Aus der Distanz, meine ich. Von hier oben sieht man die Gebrauchsspuren nicht. Weißt du, was ich meine? Man sieht den Rost nicht oder das Unkraut oder die Risse in der Farbe. Von hier oben sieht alles so aus, wie es mal gemeint war.“ „Aus der Nähe ist alles hässlicher.“ „Du nicht“, sagte ich, bevor ich nachdenken konnte. Ohne die Stirn von der Scheibe zu nehmen, drehte sie den Kopf und lächelte mich an.“

„Ich meine, sie hin, Q: Sieh dir all die Stichstraßen an, Sackgassen, die nirgendwohin führen, sondern nur in sich selbst kreisen, und all die Häuser, die gebaut wurden, um auseinanderzufallen. Und all die Plastikfiguren, die in den Plastikhäusern wohnen und ihre Zukunft verbrennen, damit ihnen warm bleibt. Und all die Plastikkids, die Plastikbier trinken, das ihnen irgendein Penner aus dem Plastikschnapsladen besorgt hat. Und alle sind sie verrückt nach Konsum. Nach Plastikdingen, die billig und vergänglich sind. Genau wie die Leute. Ich habe achtzehn Jahre hier gelebt, und nicht einmal in meinem Leben bin ich einem Menschen begegnet, dem irgendwas Wichtiges wichtig war.“

„Zwei Minuten lang sahen wir uns einfach nur an, und ich betrachtete das Blau ihrer Augen. Es war schön – in der Dunkelheit und der Stille, ohne dass ich etwas sagen konnte, mit dem ich den Augenblick verdarb, und diesmal sah auch sie mich an, als wäre da etwas, was sich anzusehen lohnte.“

„Ich habe nie verstanden, warum man mit jemand zusammen sein will, nur weil er gut aussieht. Das ist doch, als würdest du dir die Cornflakes nach der Farbe aussuchen und nicht nach dem Geschmack.“

„Wir haben doch nur eine Augenbraue mitgenommen, wollte ich einwenden, aber ich hielt den Mund und schwang die Füße zum Fenster hinaus. […] „hast du gesehen, wie er aussieht? Seine Visage ohne die Augenbraue? Er sieht aus, als ob er sich ständig wundert. Als ob er sagen wollte: „Echt jetzt? Du meinst, ich hab nur eine Augenbraue?“

 


Genre: Abenteuerroman, Belletristik, Jugendroman, Roman
Subjects: Abenteuer, erwachsen werden, Familie, Freundschaft, Lebenswege, Liebe, USA

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