Ein etwas anderer romantischer Held – Das Rosie-Projekt

„Gefühle haben ihre eigene Logik.“

Professor Don Tillman möchte gerne heiraten. Aber leider findet er andere Menschen, ihre Gefühle und Verhaltensweisen höchst verwirrend und seine Ansprüche an die Kompatibilität der Partnerin sind hoch. Und so entschließt er sich, das Ganze wissenschaftlich anzugehen. Er entwickelt einen 16-seitigen Fragebogen, mit dessen Hilfe er die perfekte Ehefrau finden will – oder eher: die Ehefrau, die perfekt zu ihm passt. Fehlerquellen ausgeschlossen. Die Kriterien: intellektuell kompatibel, raucht nicht, trinkt nicht, glaubt nicht an Homöopathie, ist pünktlich, sportlich und auf gar keinen Fall Veganerin. Hilfe erhält er dabei von seinem Kollegen und Freund Gene, selbst notorischer Fremdgänger. Als Don dann der Kellnerin Rosie begegnet, weiß er sofort: Kompatibilität gleich Null. Rosie raucht, hat keine Karriereambitionen, ist unsportlich, chaotisch, unpünktlich und planlos – und zu allem Überfluss isst sie kein Fleisch, höchstens Fisch aus nachhaltiger Quelle. Don streicht sie also gleich von seiner Liste.

„…ihre Unfähigkeit zu kochen, war nach dem Zuspätkommen und dem Mangel an sportlicher Betätigung das – bislang – dritte Ausschlusskriterium seitens des Ehefrau-Fragebogens. Ich rechnete mit einem vierten, denn es war unwahrscheinlich, dass sie als Bedienung und Barfrau das erforderliche intellektuelle Niveau aufwies. Es bestand also kein Grund, die Sache fortzuführen.“

Doch Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater und braucht dafür Dons Kenntnisse als Genetiker. Und plötzlich findet sich Don wieder in einer Welt jenseits von Plan und Struktur wieder – und ehe er sich versieht muss er feststellen: die Liebe lässt sich nicht so leicht planen wie der allabendliche Menüplan.


„Wenn du jemanden wirklich liebst, musst du gewillt sein, ihn so anzunehmen, wie er ist.“

Ich habe Don Tillman mit seiner kauzigen Art sofort ins Herz geschlossen. Er lässt mich sofort an Sheldon Cooper aus der Serie „The Big Bang Theory“ denken und lässt mich ebenso oft lachen. Lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das mich so richtig hat loslachen lassen – umso schneller habe ich dieses Buch verschlungen – und mich köstlich amüsiert. Dons schonungslose, nüchterne Analyse seiner Umgebung sowie das menschliche Miteinander aus der Sicht eines Menschen zu erleben, der das Asperger-Syndrom hat und eben „etwas anders“ ist als die meisten, fand ich sehr erfrischend. Rosie und Don, die unterschiedlicher nicht sein könnten, lernen einander kennen – und zunehmend auch verstehen…

„Als ich mich zum Schlafengehen fertigmachte, spürte ich ein starkes Bedürfnis, Rosie anzurufen, um ihr von meinen Fortschritten zu berichten. Rational betrachtet, war das überhaupt nicht nötig, denn es ist verschwendete Energie, zu berichten, ein Projekt verlaufe nach Plan, was ja der normalen Grundannahme entspricht. Die Vernunft siegte. Gerade noch.“ 

Aber kann Rosie sich wirklich in jemanden verlieben, der sowohl unfähig ist Emotionen zu zeigen als auch zu deuten, dem Umarmungen zuwider sind und dessen Alltag durchstrukturiert ist bis ins kleinste Detail? Und ist es Don, der in einer Welt aus Fakten lebt, überhaupt möglich zu lieben – oder kann er mit einer Frau nur aus rein rationalen Gründen zusammen sein?

Die Geschichte ist natürlich recht vorhersehbar, aber das Buch kommt auch ohne große überraschende Wendungen aus. Denn es ist wirklich witzig geschrieben und einfach unterhaltsam. Eine leichte Lektüre, die Spaß macht.

Als nächstes ist natürlich auch „Der Rosie-Effekt“ an der Reihe, das dank meiner Schwägerin in spe schon auf meinem Nachttisch liegt. Ich freue mich über weitere humorvolle Buchtipps von eurer Seite!

Buchinformationen

Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion, erschienen im Januar 2013, Fischer Taschenbuch, 368 Seiten. 

Über den Autor

Graeme Simsion stammt aus Australien und lebt mit seiner Familie in Melbourne. Er war erfolgreicher IT-Berater, bevor er mit dem Schreiben anfing. „Das Rosie-Projekt“ ist sein erster Roman und wurde auf Anhieb ein Welterfolg. Der Fortsetzungs-Roman  „Der Rosie-Effekt“ ist im September 2014 erschienen. 


Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur, Humorvoller Roman, Liebesroman, Roman
Subjects: Asperger, Autismus, Freundschaft, Liebe

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